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Weltmarktführer Infineon überzeugt mit einem starken Gesamtauftritt bei der Hauptversammlung 2024

Seit zehn Jahren analysieren engagierte Mitglieder des VRdS die Reden der CEOs auf den Hauptversammlungen der DAX40-Unternehmen in Deutschland. Preisträger werden in den Kategorien bester Auftritt, beste Rhetorik und Ethos gekürt. In diesem Jahr habe den Vortrag von Jochen Hanebeck, CEO der Infineon AG, analysiert.

Beeindruckt hat mich die Gesamtinszenierung: Infineon hatte sich entschieden, die HV rein online stattfinden zu lassen. Jochen Hanebeck befand sich in einem modernen Studio, welches die Anmutung eines Nachrichtenstudios eines öffentlich-rechtlichen Senders hatte. Das war eine sehr seriöse Rahmung. 

Der in türkis gehaltene Hintergrund gibt einer Videoübertragung eine augenfreundliche Farbgebung.
Verschiedene Kameraperspektiven machten die ca. 50-minütige Rede von Jochen Hanebeck abwechslungsreich. Passende Einspieler auf Bildwänden und Visualisierungen kamen zum Einsatz.

Jochen Hanebeck führte souverän durch „seine Nachrichten“. Eine Hauptversammlungsrede lebt davon, dass sehr viele Zahlen präsentiert werden: Umsätze, Erträge, Aktienentwicklung, Anzahl der Produktionsstätten und Mitarbeitenden, etc. Jochen Hanebeck präsentierte die Zahlen in einem guten Sprechtempo, dem ich gut folgen konnte. Er nutzte starke Bilder, Metaphern und anschauliche Vergleiche, um das zu verdeutlichen:

  • „Aber unsere Disziplin ist nicht der Sprint. Eher der Marathon.“
  • „Beispiel Rechenzentren: Sie sind das Rückgrat der Digitalisierung.“
  • „Im aktuell gemischten Marktumfeld halten wir die Balance: Einerseits schnallen wir den Gürtel bei weniger zeitkritischen Ausgaben enger, um unsere finanziellen Ziele für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen. Andererseits halten wir an Zukunftsinvestitionen fest.“
  • „Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur entfielen 2022 etwa 2 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs auf Rechenzentren. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird dieser Anteil deutlich steigen. Je nach Szenario auf 3,5 bis 7 Prozent. 7 Prozent: Das ist in der Größenordnung vergleichbar mit dem heutigen Stromverbrauch Indiens.“
  • „Wenn alle Rechenzentren weltweit mit unseren Produkten ausgestattet wären, könnten jedes Jahr rund 48 Terrawattstunden Strom eingespart werden. Das ist ungefähr so viel Strom, wie Portugal in einem Jahr verbraucht.“
  • „Neben Emissionen wollen wir auch unseren Energieverbrauch minimieren. Energieeffizienz ist schließlich unser Markenzeichen! Wir nutzen alle technischen Möglichkeiten, um Strom zu sparen. Und wir stellen unsere Standorte auf Grünstrom um, so schnell es geht: 2021 alle europäischen Standorte. 2022 die nordamerikanischen. 2023 unsere beiden größten Produktionsstandorte in Asien – Kulim und Melaka. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten wir erstmals über 80 Prozent unseres gesamten Bedarfs mit grünem Strom decken. Bis 2025 werden wir alle Produktionsstandorte umgestellt haben: 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen!“

Wenn man zusätzlich Visualisierungen nutzt, können sich die Zuschauenden Zahlen leichter merken. Da gab es kein langweiliges Durchklicken von Powerpoint-Folien, sondern ein durchchoreografierter Auftritt, der mich von Beginn bis zum Ende gefesselt hat.

Sehr anspruchsvoll fand ich die Live-Schaltung zum Innovationsstandort Warstein. Senior Vice President und General Manager High Voltage, Negar Soufi Amlashi, und Director Product Management Low Power, Jens Mielke, nahmen die Zuschauenden in drei Szenen mit in die Halbleiterfertigung: 

  • Szene 1 beginnt im Umkleideraum beim Anlegen der Reinraumkleidung (sehr herausfordernd, denn die Mikrofon-Headsets mussten vorsichtig miteingekleidet werden). 
  • Szene 2 ist in der Schleuse beim Übergang zum Reinraum. 
  • Und in Szene 3 wird das Gespräch direkt aus der Fertigung, aus dem Reinraum übertragen. Das fand ich eine technische Meisterleistung, die reibungslos funktioniert hat. Chapeau. 
    Mit dieser Inszenierung hat Infineon seine technologische Marktführerschaft auch im Video unter Beweis gestellt.

 

Fazit: Jochen Hanebeck von Infineon war im Ranking zur besten Rede in der engeren Wahl. Diesmal hat es nicht zu einem Podiumsplatz gereicht. Aber wenn Jochen Hanebeck und sein Team weiter so stringent an der Präsentation arbeiten, ist er auf jeden Fall ein heißer Kandidat für 2025!
 

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